deshalb hier nur ein wenig Reklame in eigener Sache:
Die Dresdner Neuesten Nachrichten vermerkten am 8.11.05 über unser Konzert mit Szymanowskis STABAT MATER und Janaceks GLAGOLITISCHER MESSE:
In Karol Szymanowskis musikalischem Gestus erkennt man so manchen Einfluss wieder - französische Impressionisten, auch Strauss, vor allem aber slawische Elemente. Sein "Stabat mater" wirkt gleichermaßen streng wie leidenschaftlich, direkt im Ausdruck. Die Kontraste brechen mit aller Gewalt über die Beteiligten und das Publikum herein, erschütternd und hoch brisant. Ekkehard Klemm versteht auch, Kontraste auszureizen. Mit schmerzlichem Ausdruck und berührender Innigkeit breitete sich der erste Teil aus (zart intonierend der Frauenchor in sensibler Partnerschaft mit dem Sopran Antje Kahns). Der markante Bariton Henryk Böhms - voller Kraft und einer unendlichen Steigerungsfähigkeit bis hin zur Emphase - war ideal für diesen Szymanowski ("Quis est homo"). Der satte, wunderbar timbrierte Alt Sofi Lorentzens und ihr sehr individueller Gestaltungswillen nahmen sofort für sich ein. Der Chor sang seinen Part ganz souverän, vielschichtig und gestaltungsintensiv, aus sicherer Werkkenntnis heraus.
Das andere Stück des Abends war die "Glagolitische Messe" von Leos Janacek - ein eigenwilliges Stück Kirchenmusik, die auch von vornherein nicht für den liturgischen Gebrauch gedacht war. Zwei Jahre vor seinem Tod entstanden, zeugt die Messe von einem unorthodoxen Gottesglauben ihres Schöpfers. Der Text ist - auch wenn er dem üblichen Messeverlauf folgt - nicht lateinisch, sondern tschechisch, bunt und vielgestaltig die Orchesterbesetzung (Harfen, Celesta, Schlagwerk, Orgel). Dass die Messe von emotionsgeladenen Instrumentalteilen, komplettiert von einem virtuosen Orgelsolo, eingeschlossen wird, gehört ebenso zur besonderen Aura des Werkes. Das Orchester der Landesbühnen Sachsen und der Organist Matthias Süß machten sich die unkonventionelle, frische Tonsprache Janaceks mit aller notwendigen Präzision und Hingabe zu eigen - eine feine Leistung. Die Singakademie gab alles, bot eine plastische Wiedergabe, üppig in den Farben, im Wesentlichen mit einem ausgewogenen, leistungsfähigen Klangbild. Die Solisten (es kam noch der kraftvolle Tenor Kay Frenzels hinzu) fügten sich nahtvoll in diese faszinierende, in sich geschlossene Interpretation ein.
(wobei korrigiert werden muß: der Text ist altslawisch, nicht tschechisch)
Die Sächsische Zeitung am gleichen Tag:
Fast 80 Jahre alt sind die beiden Werke, die am Sonntag in der nur spärlich gefüllten Dresdner Kreuzkirche erklangen. Sollte das Programm mit Karol Szymanowskis wenig gespieltem „Stabat Mater“ und Leos Janaceks „Glagolitischer Messe“ ein größeres Pub likum abgeschreckt haben? Tatsächlich ragen die Konzerte der Singakademie Dresden durch ihre ambitionierte Werkauswahl aus dem Dresdner Kirchenmusikleben heraus. Hier verbinden sich vorzügliche künstlerische Qualität und der Mut zum Ungewohnten.
Die Singakademie hat in den zwei Jahren, seit Ekkehard Klemm ihr Leiter ist, deutlich an Kontur gewonnen. Die Innenspannung der beiden vielschichtigen Werke, ihre raffinierte Architektur und den emotionalen Fluss der Musik, halten Klemm und sein Chor mit großer Konzentration und Intensität aufrecht. Man riskiert in der großhalligen Akustik des Raumes die feinen Abstufungen, kostet die irrlichternden Klangfarben aus, bewältigt souverän die verschachtelte Rhythmik und kommt Szymanowskis Wunsch, das „geheimnisvolle Leben der Seele“ zum Klingen zu bringen, beachtlich nahe. Mit reinem Klang ist man an der Grenze des für einen Laienchor technisch Machbaren – und überzeugt. Das Orchester der Landesbühnen Sachsen widmet sich ebenso engagiert und kompetent den anspruchsvollen Partituren und muss nur in den Fortestellen vor der Kirchenakustik kapitulieren.
Ein adäquates Solistenquartett vervollständigt die intensive Umsetzung: Antje Kahn bewältigt ihre heiklen Soli mit kindlich-klarem Sopran, Kai Frenzel gefällt mit durchdringendem, schwingungsreichem Tenor, Henryk Böhm mit rauhem, gut projizierendem Bassbariton; nur Sofi Lorentzens Alt bleibt schüchtern im Hintergrund.
Das nächste Konzert nun bringt die Begegnung Bachs mit Armenien. Mehr unter www.singakademie-dresden.de.
Kommenden Mittwoch - 16.11.05 - erklingt in der Semperoper mit dem Hochschulsinfonieorchester ein Konzert mit Brahms Haydn-Variationen, Hindemith Konzert für Orchester op.38, M. Weiss Ahnung der Liebe (ein Liederzyklus) sowie die Weber-Metarmophosen von Hindemith. Das ganze im Zusammenhang mit einer zugleich stattfindenden Konferenz zum Thema Kunst - Handwerk - Kunst: Hindemith und die Musik in der DDR.