"Deutschland, so sieht es aus, nimmt teil am american way der Terrorbekämpfung" - so schreibt Heribert Prantl in einem Kommentar der Süddeutschen, der immernoch einigermaßen fassungslos und staunend klingt. Hat daran jemand eigentlich ernstlich gezweifelt? Hat jemand wirklich gedacht, nach Schröders Anti-Irak-Krieg-Statement, nach Merkels Amerika-Besuch und Pro-Rumsfeld-Kurs, nach dem Weichklopfen der Schröder Truppe, so könne man nicht mit Amerika umgehen - nach all diesen kleinen und großen Sticheleien und Verwerfungen hätten Schily&co. allen Ernstes Kraft und Muße, das erbetene Stillschweigen zu brechen? Das ist ja nun wirklich Traumtänzerei - wenn auch auf Kosten eines Unschuldigen Gefangenen, insofern keineswegs zu dulden. Aber derlei Vorkommnisse nunmehr staunend aufzudecken - Gott, wie infantil. Sorry. So naiv kann ja wohl niemand sein.
Im Übrigen hat doch der american way in jeglicher Form uns längst durchdrungen. Schauen wir uns doch nur die Filme an, die Verflachung und Kommerzialisierung alles Künstlerischen, die Infantilisierung aller Botschaften á la "Du schaffst es", "Glaub an Dich", die Profanisierung der Psychologie usw. usf. - nein wir sind längst ein Teil diesr Entwicklung. Wie bewußt oder unbewußt auch immer. Nicht zuletzt deshalb verschuf und verschafft mir Merkels Pro-Amerika-Kurs Bauchschmerzen. Aber du liebe Güte, ist das alte Europa so viel besser mit seinen Eliten und seiner entweder avnatgardistisch am Publikum vorbeigehenden oder rein restaurativen Tendenz? Ein ordentlicher Julia-Roberts-Schinken geht ans Herz, ein arte-Drama erkennt man schon an der Lagsamkeit, mit der zwei Leute im Bett einander nähern, bevor sie dann feststellt, daß sie heute nicht mag. Betroffenheit, ausgestellte Melancholie - ganz wie die Medien nach den "Enthüllungen" der letzten Tage. Wer solche Schweinereien nicht erwartet hat, muß mit Blindheit geschlagen sein.