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Kritiken
a-cappella-Programm
Hier eine Kritik über das Konzert am vergangenen Samstag, über das noch anzumerken wäre, daß ich mit den 3 a-cappella-Konzerten vom Wochenende wiedermal dirigentisches Neuland betreten habe - wiewohl schon einige Zeit im Geschäft, hatte ich noch nie das Vergnügen (und die Anstrengung!), einen Abend lang nur reine a-cappella-Musik zu dirigieren. Eine durchaus nochmal ganz andere Erfahrung, die auch ganz andere Anforderungen und Disposition stellt und abverlangt.
Hier also die Sächsische Zeitung, die den Artikel im Archiv gegen Löhnung (die ich bezahlt habe!) im Net stehen hat:
Singakademie Dresden in Wachau gefeiert Bernd Goldammer
Wachau. Von unvergesslich, überraschend, außergewöhnlich bis hin zu überwältigend charakterisierten die Besucher das Konzert der Singakademie Dresden im Barockschloss Wachau. Der Schlussbeifall donnerte geschlagene fünf Minuten. Schon im Pausengespräch war zu spüren, wie groß die Begeisterung der Gäste war.
"Geistliche Motetten zum Kirchenjahr" hatten die Veranstalter für dieses A-cappella-Chorprogramm angekündigt. Es begann mit einem Werk des Altmeisters der polnischen Kirchenmusik Mikolaj Zielènski "Laentur omnes". Ein gelungener Auftakt. Schon das nächste Stück entstammte der Feder eines berühmten gebürtigen Oberlausitzers: Melchior Franks "Deutsche Evangeliensprüche für das Kirchenjahr 1623" erklangen in verschiedenen Auszügen.
Wie sehr das Werk von Heinrich Schütz "Geistliche Chormusik 1648" die Eindrücke kriegerischer Erlebnisse hörbar macht, wird deutlich, wenn man sich klarmacht, dass 1648 der dreißigjährige Krieg zu Ende ging. Friedenssehnsucht wird im Gesang deutlich. Von Alfred Schnittke, einem 1934 geborenen Vertreter der russischen Avantgarde, erklang: "Wenn du die Zeitlosigkeit der Trauer überwinden willst".
Dem folgte ein besonders dramatischer Zeitensprung: "Wie liegt die Stadt so Wüst" von Kreuzkantor Rudolf Mauersberger ist ein einzigartiges Werk, in dem alle Fassungslosigkeit, Verzweiflung, und Trauer hineingeschrieben scheint, die die Bombennächte auf Dresden nach sich zogen. Sinn für Geschichte und die Ausdrucksstärke der Dresdner Singakademie machten das Stück im Konzert so ergreifend. Edison Denissows "Stilles Licht" setzte den Schlusspunkt hinter diese Gefühlsaufwallung.
Großartige Dreieinigkeit
Auch nach der Pause wurden die geistliche Chormusik von Heinrich Schütz, Melchior Frank und Mikolaj Zelénsiki aufgeführt. Den Schluss bildeten die Psalmen Davids von Heinrich Schütz. Als Schütz sie 1619 in Dresden schrieb, war er hier bereits zwei Jahre als Hofkapellmeister tätig. Auch dieses Werk war ein Hochgenuss dieses denkwürdigen Abends im Wachauer Barockschloss.
"Spitzenkonzerte sind in und um Dresden oft zu erleben, das Besondere an diesem Konzert war wohl, die großartige Dreieinigkeit von wunderbarer Raumakustik, Publikumsnähe zum Gesang und natürlich der außergewöhnlichen Klangkraft des Chores", hebt Dieter Runge aus Dresden hervor. Seine Arme sind vom langen Applaudieren schlaff, mit einem genüsslichen Klang in der Stimme sagt er "Ich bin begeistert".
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selten solches Glück gehabt...
Kritik zu einer ARIADNE in Bayreuth (im wundervollen Markgräflichen Opernhaus):
Himmlische Koloraturen, Komik und bewusste Störung
26.05.2004 00:00
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Das Staatstheater am Gärtnerplatz brachte die Richard-Strauss-Oper "Ariadne auf Naxos" für die Fränkische Festwoche nach Bayreuth BAYREUTH Von Frank Piontek
"Sie sind der geheimsten Inspiration gefolgt und haben das Schönste gegeben, und, glauben Sie mir das, was von allen diesen Werken die stärkste Bürgschaft der Dauer in sich trägt." Hugo von Hofmannsthal hatte Recht: Mit der "Ariadne auf Naxos" schuf Richard Strauss ein Werk, das von den Kennern nicht grundlos als seine vermutlich vollkommenste Schöpfung geschätzt, mehr noch: geliebt wird. Wenn das Staatstheater am Gärtnerplatz das geniale Stück zur Fränkischen Festwoche in den Barockraum des Markgräflichen Opernhauses schickt, weist sie zurück auf jenes Projekt, das am Anfang der "Ariadne"-Genese steht. Denn Moliéres "Bürger als Edelmann" war ein Werk des französischen Barock, das schließlich zum Vorspiel und zur eigentlichen Oper "Ariadne auf Naxos" führte. Komödiantisch inspiriert Die spielerisch bewegte, komödiantisch inspirierte Inszenierung Helmut Matiaseks, die vor elf Jahren ihre Münchener Premiere erlebte, spielt, wie fast alle "Ariadne"-Inszenierungen des 20. Jahrhunderts, so ungefähr in jener Zeit, die Strauss und sein kongenialer Librettist sich erdachten. In den hellen, offenen Saal des späten Rokoko, den Elisabeth Urbancic im Geiste Alfred Rollers entwarf, haben sich freilich auch ein paar Gestalten der Entstehungszeit der "Ariadne" verirrt. So konterkarieren die lustigen Figuren schon im Vorspiel die adlige Sphäre der Ariadne. Es gehört zum behaglichen Konzept dieser Inszenierung, dass Figuren wie der wienerische Haushofmeister kostümlich schon ins Biedermeier hineinschimmern. So wird die Tragödie des Komponisten, dessen Erstlingswerk zerstört werden soll, nicht ohne notenpapierverwirbelnde Komik dargestellt. Wenn allerdings die herausragende Alexandra Petersamer zu singen beginnt, wird's ernst: Auf der perfekt ausgepegelten Tonspur spielt sich ein echtes Künstlerdrama ab - und nicht nur, weil sie das berührende "O du Knabe, du Gott", geglückterweise auch jenes unbeschreiblich hymnische "Musik ist eine heilige Kunst" so berührend anstimmt. Dagegen wirkt die amusikalische Knörzigkeit Wolfgang "the voice" Hinzes, den die Münchener tausenddankenswerterweise nach Bayreuth ausgeliehen haben, entsprechend stark. Richard Salters Musiklehrer glänzt zwischen dem arroganten Domestik und dem emphatischen Künstler eher im Rezitativ, ganz anders als sein Kollege, der Tanzmeister Michael Gann: eine wunderbare Type des ancien regime, schlank und wendig in zärtlicher Geste und lyrischer Stimme. Der techtelt gerade mit Fräulein Zerbinetta herum, als der Komponist am Rande des Herzinfarkts das Unglück der Kunst beschwört: Eine typische Szene einer Inszenierung, die auf Kontrast setzt, ohne die Musik zu zerstören. Auch die Oper wird von diesen bewussten Störungen akzentuiert. Komisch und pathetisch Matiasek zeigt, dass die Inszenierung der aus komischen und pathetischen Elementen zusammengerührten Fest-Oper - eben eine Inszenierung ist. Dass die Kluft zwischen dem Vorspiel und der Oper derart groß ist, dass beide Akte als unabhängige Stücke inszeniert werden können: Diese analytische Radikalität, die Sergio Morabito und Jossi Wieler 2001 in Salzburg durchexerzierten, ist bislang die Ausnahme gewesen - aber Matiasek schafft es doch immer wieder, durch kleine Witzchen das Künstliche der Unternehmung auf die künstliche Bühne zu bringen. Da streiten sich die drei Elementarwesen, also die drei Sängerinnen der Partien (das Echo der Thérèse Wincent ragt als prima inter pares stimmschön heraus) um den besten Platz, da sieht man, dass aus einem Schaukelstuhl ein Wasserthron wurde, da reicht eine der lustigen Personen die Äste des Baumgeistes herein. Das Theater auf dem Theater hat nicht sein Ende, wenn Ariadne auf Zerbinetta trifft: Man sieht eine fast private Szene, in der die Zauberin der Lebenslust - mit einem Hauch von weiblicher Solidarität - der Diva zeigen kann, wie's so mit den Männern aussieht, bevor die trauernde Dame und unangenehm berührte Konkurrentin das Feld räumt. Dazu hat sie auch Grund, denn Simone Schneider gestaltet die höllisch schwere Partie der Zerbinetta mit aller nur möglichen Kunst. Der Bravourarie setzt sie die glänzendsten Edelsteine auf, bevor sie die weiteren Koloraturen mit Charme bringt. Die empfindsame Ariadne der Nathalie Boissy bildet mit dem prägnanten Bacchus Wolfgang Schwaningers ein sehr würdiges Paar. Wenn auch, man muss das beckmessernd bemerken, die hohe Lage der Primadonna meist detoniert. Schlichtweg vollkommen ist das Orchester: Dirigent Ekkehard Klemm hält es mit sicherem Zeitgefühl in einem permanenten Fluss, der mit dem unablässigen Spiel auf der Szene bestens harmoniert. Längerer Beifall also. Nur der für die wunderbare Zerbinetta hätte deutlicher ausfallen können.
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Kritiken zu IDOMENEO
...der Gewinnfür die Musik, die aufgrund des szenischen Freiraums und seiner offenen zeitlichen Dimensionierung jeden benötigten Zeitrahmen bekam, wog alles auf.
Derart ruhig gestellt ließ sich das von Mozart Gestrichene wieder integrieren. Allein schon wegen Elettras grandioser, verzweifelter Arie ließ sich dies rechtfertigen. Das Konzept, das dieser auch für Mozart singulären Musik Raum schafft, weist ins Offene. Ekkehard Klemm nutzte die Freiheit zu einem groß duchdachten musikalischen Panorama. ... eine überzeugende, zukunftsweisende Aufführung.
SZ, 23.12.03
...musikalisch sorgten Dirigent Ekkehard Klemm und das über sich hinaus wachsende Orchester für eine aufregend starke Weihnachts-Premiere... Mitreißend: die Stürme in der Musik. Schon in der Ouvertüre macht Dirigent Ekkehard Klemm mit viel Gespür für Mozarts Vielschichtigkeit deutlich, daß es auch um die Brandungen der Seele geht. Transparent-farbenreich wie selten sonst klingen Orchester und Chöre...
Abendzeitung, 23.12.03
Überhaupt Klemm! Er hat sich aus den vielen Fassungen und Möglichkeiten eine musikalisch plausible erarbeitet und vertritt sie am Pult temporeich,leidenschaftlich und mit so jugendlichem Schwung, wie es wohl der 25-jährige Mozart 1781 im Cuvilliéstheater getan hat.
tz, 23.12.03
So passte die Neuinszenierung des „Idomeneo“ am Münchner Gärtnerplatztheater nicht nur exakt zur Jahreszeit, sondern sie machte einmal wieder deutlich, wie wichtig diese Oper nicht nur für das Schaffen Mozarts ist und dass das Werk nach wie vor viel zu selten auf den Spielplänen anzutreffen ist. Und die künstlerische Qualität diese Premierenabends bewegte sich auf dem Niveau, das keinen Vergleich zu scheuen hat – erst recht nicht vor Ort. (...) Rensburg [Idomeneo] sang die Partie mit einer wunderbaren Stilsicherheit, wie sie nur bei den führenden Vertretern der historischen Aufführungspraxis anzutreffen ist. Dort allerdings vermißt man oft im Musiktheaterrepertoire die notwendige Leidenschaft, das dramatische Feuer, die auf der Bühne erforderliche Darstellungslust. Nicht bei Rensburg! (...) Wie Rensburg in seiner großen Arie „Fuor del mar“ im weiten Alt seines Idomeneo mit Neptun hadern ließ, gehörte zu den Sternstunden des Mozart-Gesangs: makellose Koloraturen, optimaler Stimmsitz, mühelose Ansprache in allen Registern, differenzierte Farbgebung, hingebungsvolle Ausdruckskraft. Auch von Simone Schneiders Elettra kann nur in Superlativen berichtet werden. (...) Schneider erschloß das gesamte Spektrum ihrer Figur, legte sie mit zahlreichen Facetten und Zwischentönen an, verfügte über eine Vielzahl an stimmlichen und darstellerischen Gestaltungsmitteln. (...) Dem Dirigenten Ekkehard Klemm ist es zu verdanken, daß – vom gekürzten Ballett einmal abgesehen – nun endlich einmal alle von Mozart für München komponierten Idomeneo-Teile auch erklungen sind, so daß sich die gewaltige Bogenform der Partitur nun auch dem Opernbesucher und nicht nur partiturkundigen Experten erschließt. Klemm ging bei seinem Dirigat ebenfalls von der historischen Aufführungspraxis aus, ließ genauso temperamentvoll wie differenziert musizieren und sorgte für einen genauso präzisen wie prägnanten Mozart aus dem Graben. Die Verantwortung für Bühnenbild, Kostüme und Regie lag erstmals in Personalunion bei Claudia Doderer. Ihre Inszenierung gehört zum Besten, was in Sachen Mozart in letzter Zeit zu sehen war. In einem zeitlos-abstrahierten Bühnenraum vertraute sie der Aussagekraft von Mozarts Musik. Eine eher stille Inszenierung, frei von aufgesetzten Aktionismen, dagegen voller wirkungskräftiger Intensität: Modernes Musiktheater ohne alberne Mätzchen – endlich einmal wieder!
Landshuter Zeitung vom 23.12.2003
und zu DAS BEBEN
Terterjan verarbeitet in seiner Partitur viele Erfindungen westlicher Avantgarden, Aleatorik, Mikrotonalität, Repetitionstechniken, energievolle Ostinatopassagen, raffinierte Klangfarben, gewonnen aus individuellen instrumentalen Kombinationen. Das alles aber wird einem eindrucksvollen Individualstil eingeprägt. Eine eigenartige Magie geht oft von dieser Musik aus, etwas Fernes, Fremdes, Verlorenes, Schicksalhaftes. Und das Faszinierende dabei: Irgendwie ist diese Musik, sind diese Töne, Eruptionen, Klangsensibilisierungen Kleists Dichtung erstaunlich nahe.
Ekkehard Klemm entfaltete mit Orchester und Chor den Facettenreichtum der Partitur bewunderungswürdig. Ruth Ingeborg Ohlmann und Wolfgang Schwaninger verleihen dem Liebespaar eine feie deklamatorische Vokalität und zarte Expressivität auch im Spiel. Eingebettet war alles in eine Inszenierung ruhiger, intensiver Bilder, in denen sich Erregungszustände und lyrische Verhaltenheit im wunderbaren Wechsel und ohne jede Effekthascherei spiegelten: Heinrich von Kleists dramatische Prosa nicht veropert – sondern zwingend in Musik ausgedrückt.
Gerhard Rohde, FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG, 18. März 2003
Terterjan wird sich als einer der wesentlichsten Komponisten dieser Richtung erweisen. In den letzten Jahren mehren sich Aufführungen etwa seiner gewaltigen acht Sinfonien, die sich mit radikaler Entschiedenheit am Klang, am einzelnen Ton festbeißen. „Im Ton ist die ganze Welt. Kennen Sie eine Melodie, die die ganze Welt ausdrücken würde? Den Zustand der Liebe oder der Freude oder der Trauer? Nein, die gibt es nicht. Aber der Ton zersplittert in Milliarden Teilchen! In ihm ist alles, wie in einem Fokus.“ Terterjans Überzeugung fließt mit geradezu gnadenloser Hingabe in jedes seiner Werke. Sie haben eine unwiderstehliche Sogkraft. (...) Das Gärtnerplatztheater hat ganze Arbeit geleistet. Zur souveränen Leitung durch Ekkehard Klemm (der seinerzeit schon die Aufführung in Halle bestreiten sollte), zu einer hochwachen Leistung der im Zuschauerraum verteilten Chöre, zur intensiven Verkörperung von „Sie“ und „Er“ durch Ruth Ingeborg Ohlmann und Wolfgang Schwaninger, trat eine Regiearbeit durch Claus Guth, die den Theaterraum sinnfällig zur Arena aufbrach. Die Masse glotzt: In diesen Zustand wurde das auf den Rängen und auf der Bühne verteilte Publikum versetzt. Das Parkett war Spielfläche für die Musiker mit eindrucksvoller Schlagwerkbesetzung (darunter vier überdimensionale Trommeln) und – auf vier tischartigen Flächen – für die sparsamen Aktionen. (...)
Reinhard Schulz, SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, 18. März 2003
Mehr Verständnis für das orientalische Zeitempfinden Terterjans zeigte der Dirigent Ekkehard Klemm, der die riesigen Bögen mit unerschütterlicher Ruhe durchhielt und massgeblich zum Erfolg der Uraufführung beitrug. Lang anhaltender Applaus für alle Ausführenden und für den toten Komponisten, dessen Partitur Klemm demonstrativ mit einem Blumenstrauss aufs Bühnenpodest legte.
Max Nyffeler, NEUE ZÜRCHER ZEITUNG, 18. März 2003
Gärtnerplatz: Triumph für „Das Beben“
Ein Haus steht vom ersten bis zum letzten Mitarbeiter hinter einer fast nicht zu bewältigenden Aufgabe – und gewinnt. Die Uraufführung von Awet Terterjans Oper „Das Beben“ nach Kleists Novelle „Das Erdbeben in Chili“ im Gärtnerplatztheater wurde zum Triumph für den Ensemblegeist eines Hauses.
Und, neun Jahre nach seinem Tod, zu einer tiefen Anerkennung für ein Werk, dessen Uraufführung der Komponist nicht mehr erleben durfte. Nun saß seine Witwe, die Musikwissenschaftlerin Irina Tigranowa Terterjan, in der Mittelloge und wurde von Rührung übermannt, als der mit Beifall zurecht überschüttete Dirigent des Abends, Ekkehard Klemm, der das Stück schon vor 15 Jahren in Halle hätte uraufführen sollen, zum Schluss einen Rosenstrauß auf die Partitur legte.
Unsere Kritik kann diese Geste nur wiederholen: „lauter“ – gibt es noch jemanden, der dieses Wort nicht als Komparativ von „laut“ versteht, sondern in dem Sinn, der mit „sauber“, „rein“, „absichtslos“ nur unzureichend beschrieben ist? Lauter also, diese Musik von Terterjan, ohne jede Effekthascherei, reich, bunt sogar, kühn in den Mitteln, aber ganz ohne Trick. Das Lebensgefühl von Armenien steht dahinter; es ist eine Sprache, die genau deshalb so stark wirkt, weil sie einen Boden hat, kein globales Allerlei ist.
(...) Dies ist eine der wichtigsten, wärmsten und klügsten Aufführungen der letzten Jahre.
Beate Kayser, tz, 18. März 2003
Was Ekkehard Klemm, neben Guth und Dramaturg Konrad Kuhn die eigentliche treibende Kraft der Produktion, dazu mit dem Orchester macht, ist ein Traum. Er steht in der Mitte, umgeben von Sängern und Musikern, er ist das Epizentrum einer Aufführung, der nicht nur emotionaler Gehalt einzigartig ist. Ein Monolith eben.
Egbert Tholl, BAYERISCHE STAATSZEITUNG vom 21.03.2003
„Das Beben“ – es bewegt das Publikum
Es wurde ein großartiges Experiment am Gärtnerplatz. Das Publikum feierte besonders das präzise spielende Orchester unter Leitung von Ekkehard Klemm.
W. Ranft, BILD vom 18. März 2003
Großartige Schöpfung
Eine ebenso furiose wie ungemein kontemplative Aufführung in der Regie von Claus Guth und der beinahe ins Titanische gesteigerten musikalischen Leitung von Ekkehard Klemm. Höchst ungewohnt, als auch immens faszinierend ist die Musik von Awet Terterjan, ungemein fesselnd, voll ineinander verschlungener Klangschichten und weltverlorener Disharmonien, die, wie eine Insel im hektischen Getriebe unserer Welt, gewaltig unter die Haut gehen ... Imposant und stark berührend ... Glanzleistungen boten das Orchester unter Ekkehard Klemms höchst einfühlsamer und befeuernder Leitung. Dazu eine atemberaubend beklemmende Inszenierung des in mystische Unterwelten abgetauchten Regisseurs Claus Guth.
Hannes S. Macher, Main-Echo vom 22. März 2003
Die Erde bebt, der Mensch mordet
Wenn jede Opern-Uraufführung über zwei Drittel ihrer Distanz solch eine musikalische Suggestiv- und Sogkraft ausstrahlen würde wie „Das Beben“ des armenischen Komponisten Awet Terterjan (1929-1994) am Gärtnerplatz-Theater München, dann stünde es um das gesellschaftliche Interesse an der Neuen Musik besser. ...
Im Programmheft zur Uraufführung, mit der der Gärtnerplatz die Staatsoper überholt, findet sich ein bedenkenswerter Satz: „Warum Terterjan komponierte, hören wir; aus dem Kulturraum der sogenannten ‚Neuen Musik‘ und der Postmoderne dringt diese Antwort zu oft nicht durch.“ Was aber dringt nun beim spirituellen „Beben“ durch? Es ist die Humanität; es ist Mitleid und die Verzweiflung am Menschen. Schwer vorstellbar ist ein höherer leitender Einsatz als jener von Dirigent Ekkehard Klemm, der nach der Uraufführung – welch ein Zeichen – rote Rosen auf die Partitur legte. Das Gärtnerplatz-Orchester war ihm mit emotionaler Hingabe gefolgt – ebenso wie Ingeborg Ohlmann (Sie) und Wolfgang Schwaninger (Er). Regisseur Claus Guth und Ausstatter Christian Schmidt, Spezialisten musiktheatralischer Tragödien und diesjährige Bayreuther „Holländer“-Produzenten, mehrten durch Stilisierung, ritualisierte Personenführung, Szenen-Klarheit die außerordentliche Wirkung des Abends. Es stand, was auch wörtlich zu nehmen ist, die Musik im Zentrum des Geschehens: Sie spielte auf dem abgedeckten Zuschauer-Parkett.
Rüdiger Heinze, Augsburger Nachrichten vom 19. März 2003
weitere Kritiken unter Presse in der Homepage
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